In unserem ursprünglichen Weltreise-Plan kommt Japan eigentlich gar nicht vor. Zu teuer ist es und zu weit entfernt von den anderen Orten, zu denen wir reisen wollen. Aber irgendwie geht uns dieses Land während unserer Reise nicht aus dem Kopf: zu anders und zu aufregend klingt es in den Erzählungen anderer Reisender. Und zunehmend ertappen wir uns dabei, Japan in Gesprächen als unser Reisewunschland Nummer 1 zu nennen. Bei genauerer Kalkulation merken wir leider, dass es sogar noch teurer wird als erwartet. Trotzdem führt inzwischen kein Weg mehr vorbei an einem Abstecher in das Land der aufgehenden Sonne. Man gönnt sich ja sonst nichts ;)
Zwischen Ende August und Anfang Oktober verbringen wir insgesamt fünf Wochen in Japan. Die Menschen sind alle sehr nett und höflich und wir fühlen uns sehr willkommen, auch wenn die Verständigung oft schwerfällt (kaum jemand, nicht einmal die junge Generation, spricht hier Englisch, das hätten wir nicht erwartet). Wir erleben und entdecken viel, genießen die sauberen, überall vorhandenen japanischen Klos mit Wasserduschen- und Musikfunktion und sind seeeehr viel unterwegs (das viele Geld, das wir ausgeben, muss sich ja lohnen ;)).
Oft ärgern wir uns aber auch. Es wird zwar alles doppelt und dreifach in Plastik eingewickelt, aber es gibt kaum öffentliche Mülleimer (das hat anscheinend damit zu tun, dass Japaner Angst vor erneuten Anschlägen wie den Saringasattacken von 1995 haben, bei denen das Giftgas in Müllemern deponiert wurde). Oft suchen wir auch verzweifelt nach vegetarischem Essen (die meisten Japaner essen dreimal täglich Fleisch oder Fisch. Ein Verständnis für vegetarische Ernährung fehlt komplett!), was uns häufig hungrig und genervt durch die Straßen hetzen lässt. Aber eins können wir vorweg schon sagen: die postiven Erlebnisse überwiegen klar und wir sind sehr glücklich, diesen Trip gemacht zu haben!
Bereits als wir am Kansai Airport in Osaka ankommen, sind wir etwas überfordert. Trotz detaillierter Recherche (von Nils, Marli war sehr faul) sind wir nicht ganz sicher, welchen Zug wir jetzt mit unserem Ticket nehmen dürfen und ob das Ein- und Auschecken mit den aufladbaren Karten am Start- und Zielbahnhof wirklich so einfach sein kann (Ja, kann es!). Da der Check-in in Japan immer sehr spät ist (normalerweise ab 16h), legen wir unser Gepäck erst einmal nur im Hostel ab underkunden die Stadt. Es wirkt ein bisschen unwirklich: auf der einen Seite so ähnlich wie in Deutschland (alles ist sauber, die Leute halten sich an Verkehrsregeln und nehmen Rücksicht aufeinander, die alten Menschen sind gekleidet wie deustche alte Leute ;)), auf der anderen Seite so anders (die Schrift, das Essen, überall Getränke- und Spielzeugautomaten, die Gesichter der Menschen). Marli gefallen vor allem die bemalten Gullideckel, Nils ist fasziniert von den merkwürdigen, komplett überdachten Einkaufsstraßen, die, so werden wir im Laufe unserer Reise feststellen, in ganz Japan zu finden sind.
Die nächsten Tage verbringen wir damit, uns die verschiedenen Stadtviertel und Märkte Osakas anzusehen und uns einen Eindruck von Land und Leuten zu verschaffen. Einmal kommen wir in die Rush Hour und müssen uns unseren Weg durch die Bahnstation Umeda kämpfen - ein lustiges Erlebnis, das angenehmer abläuft als gedacht, weil alle Rücksicht aufeinander nehmen. Unseren Aufenthalt nutzen wir auch, um unsere Freundin Sofie zu treffen, die gerade auch durch Japan reist. Es ist immer schön, ein bisschen über zu Hause zu quatschen! Einen Abend verbringen wir mit Kika, die Nils aus seiner Kindheit in Thailand kennt, und ihrem Mann und reden über alte Zeiten. Inzwischen ist sie im neunten Monat schwanger und von Indonesien nach Japan gezogen. Wie schnell doch die Zeit vergeht ;)
Auch Osakas Stadtmotto, das sinngemäß "Essen bis zum Umfallen" bedeutet, wird von uns sehr ernst genommen. Wir probieren vegetarische Okonomiyaki (japanische Pfannkuchen mit Gemüse- und normalerweise auch Fleisch- oder Fischfüllung, die man auf einer heißen Platte am Tisch selbst zubereitet), Soba (Buchweizennnudeln) und Takoyaki (Teigbällchen mit Tintenfischfüllung, die als typisches Street Food für Osaka gelten). Nach ein paar Tagen Aufenthalt in der drittgrößten Stadt Japans kriegen wir Lust auf mehr. Vor allem die ländlichen Gegenden, Tempel und Burgen interessieren uns brennend. Deshalb mchen wir auf dem Weg nach Kyoto gleich einmal einen Abstecher zur Burg Himeji.
Okay ciao! Marli und Nils