Nach der entspannten Zeit in Nord-Goa kann es ruhig wieder hektisch werden und wir haben deshalb kein Problem, den brechend vollen und heißen Zug ins Inland zu nehmen, um dort den Frühling zu begrüßen. Dies wird in Indien, in dem knapp 1,2 Milliarden Hindus (80 Prozent der Bevölkerung) leben, traditionell mit dem Holi-Fest gefeiert. Menschen ziehen durch die Straßen und bewerfen sich gegenseitig mit Farbpuder und Wasser. Alles ist bunt und die Menschen tanzen gemeinsam glücklich zu Trommelmusik und wünschen sich "Happy Holi!".
Es ranken sich einige Legenden um den Ursprung des Holi, das bereits im vierten Jahrhundert in tradtionellen Schriften erwähnt wurde. Eine der populärsten ist folgende: Die böse Tante Holika des Prinzen Pralahda, die ihn in einen Hinterhalt locken wollte, um ihn zu töten, verbrennt im Feuer zu Asche, während letzterer überlebte, weil er die Namen der Hindugötter gesungen hatte. Fortan feiern die Menschen den Sieg des Guten über das Böse und schmieren sich einmal im Jahr zur Erinnerung an dieses Ereignis gegenseitig Asche in ihre Gesichter. Aus der Asche Holikas werden allmählich bunte Farben, weil das viel mehr Spaß macht und auch schöner aussieht, und das Holi-Fest, wie wir es heute kennen, ist geboren.
Wir freuen uns schon seit Monaten auf diesen Tag und möchten ihn gerne mit vielen Einhemischen in toller Kulisse und nicht als auf Touristen zugeschnittenes Event erleben. Unsere Wahl fällt auf Hampi, eine alte Tempelstadt aus dem 14. Jahrhundert, das es mit den bekannten Holi-Festivitäten im Norden Indiens locker aufnehmen kann. An den bunten Ständen zwischen den Tempelruinen und Restaurants der Stadt kaufen wir uns früh morgens unsere Farben und schon kann es losgehen. Am Mittag sind wir glücklich, erschöpft, sehen aus wie sau und genießen die Dusche mehr als wohl jemals zuvor in unserem Leben. Nicht jede Farbe lässt sich so einfach abwaschen. Vor allem von den roten Pigmenten haben wir noch ein paar Tage etwas, aber uns stört das wenig. Stephanie aus Kanada hat jetzt blonde Haare mit roten Strähnen. Sie nimmt es mit Humor: sie wollte sowieso mal etwas Neues ausprobieren und hat sogar die Kosten für den Friseur gespart.
Auch abseits des Holi hat Hampi eine Menge zu bieten. Die Landschaft ist wie von einem anderen Planeten: überall stapeln sich Felsblöcke zu Formationen, die so gefühlt gar nicht funktionieren können, es aber trotzdem irgendwie tun. Es handelt sich hierbei um Jahrmillionen alte Granitblöcke, aus denen sich im Laufe der Zeit riesige Stücke durch Erosion gelöst und zufällig gestapelt haben. Die meisten Traveller teilen jedoch Theorien, in denen Aliens und Riesen eine entscheidende Rolle spielen. Gemeinsam mit den Tempelruinen, den Reisfeldern und dem Fluss ergibt sich eine magische Atmosphäre, vor allem bei Sonnenuntergang.
Einen Tag lang streifen wir durch die Tempellandschaft, bewundern die gut erhaltenen Relikte früherer Zeiten und besuchen den Tempelelefanten, der jeden Morgen im Fluss badet. Da uns 39 Grad im Schatten zu heiß für tägliche Erkundungstouren sind, verbringen wir die meiste Zeit mit netten Leute in unserer Unterkunft The Goan Corner auf der anderen Seite des Flusses, lassen uns mit leckerem Essen im dortigen Restaurant bedienen und schwitzen so vor uns hin. Auch für das Klettern (Bouldern), für das die Region bekannt ist, ist es uns zu heiß und bekanntlich fällt es uns ziemlisch schwer, morgens vor sieben aus dem Bett zu kommen. Wir haben uns aber sagen lassen, dass es sehr viel Spaß macht.
Inzwischen freuen wir uns schon wieder auf das 'kühle' (ca. 34 °C) Goa und eine ordentliche Meeresbrise. Als nächstes werden wir den eher ruhigen Süden erkunden. Die Strände sind bekannt für gesundes Essen und ihre Yoga-Angebote. Ein bisschen Detox wäre inzwischen auch mal wieder angebracht ;)
Okay ciao! Marli und Nils